West Highland Way, Schottland

DSC0659728.04. / 29.04.2018

Ankunft GLASGOW

Aus dem nach einem langem harten Winter mit den ersten warmen Sonnenstrahlen gesegnetem München fliegen wir über Heathrow, London nach Glasgow, 10° C hat es hier. Per Taxi lassen wir uns zum Hotel Devencove im „West End“ Glasgows kutschieren. „´doing the walk?“ fragt uns der Fahrer, nachdem wir unsere Riesen Rucksäcke in dessen Kofferraum gehieft haben. Gleich nach unserer Ankunft im Hotel müssen wir erst einmal die umliegenden Bars erkunden.

Der erste Eindruck der Stadt erfüllt auch gleich einmal alle Klischees die einem so im Kopf rumschwirren: Kalt, grau, altbacken und überall (Saturday night!) laufen aufgebrezelte, etwas fülligere und dem Wetter nicht ganz entsprechend gekleidete „Damen“ umher, „Scheiß da nix dann fehlt da nix“ würde man hier in Bayern dazu sagen.

Der schottische Dialekt trifft uns auch erstmal mit voller Härte, die Rs werden gerollt und die Vokale gedehnt was das Zeug hält, aber sehr herzlich und freundlich sind sie hier, die Leute, das fällt uns gleich auf und wir lassen die ersten Eindrücke ein paar Bier lang auf uns wirken.

Am nächsten Tag laufen wir zunächst einmal ins City Center. Die Buchanan Street, die Hauptstraße, ist unser einziges Ziel heute. Es gäbe zwar auch einige Museen und Galerien zu besichtigen, dafür sind wir aber viel zu aufgeregt. Die noch fehlenden Utensilien wie Gaskartusche und Midgispray sind schnell gefunden, dafür belohnen wir uns mit einem zweiten Frühstück in einem der vielen Cafés und gönnen uns “ Eggs Benedict“, die gibt es ja bei uns eher selten. Den Weg zurück laufen wir zurück am Clyde River und durch den Kelvington Park, wo wir voller Stolz das erste Moorhuhn entdecken.

Abends werden nochmal in aller Ruhe die örtlichen Pubs besichtigt und noch einmal ordentlich der Magen vollgeschlagen.

 

30.04. Glasgow – Milngavie- CP kurz vor Drymen (18km) TAG 1

Strahlender Sonnenschein und schreiende Möwen (??) wecken uns um… ca 4 Uhr früh. Unwirklich ist das schon, dass es um diese Jahreszeit erst um ca 23 Uhr dunkel und bereits um 3, 4 Uhr morgens schon die Sonne wieder raus kommt. Wir freuen uns sehr über das schöne Wetter, und fahren voller Vorfreude mit dem 3er Bus zur Central Station, von dort aus fährt der Zug ca. 25 Minuten nach Milngavie (sprich: Mullngay) . Noch kurz ein paar Bilder im strahlenden Sonnenschein und einem breiten Grinsen im Gesicht vor dem Start des West Highland Ways, und los geht’s!

Wir laufen erstmal lange durch eine Parkanlage und werden von allen Joggern, Spaziergängern und Gassigehern freundlich begrüßt, was schön ist, wir freuen uns aber schon auch auf die baldige „pure“ Natur. Durch Wälder und Moore an unserer Seite machen wir unsere erste Pause an einem kleinen See. Die schweren Rucksäcke machen uns jetzt schon gleichmal etwas zu schaffen, schließlich haben wir alles dabei, um uns für die komplette Zeit selbst versorgen zu können. Nun ja, Zähne zambeißen und weiter- an unzähligen Schafsweiden mit kleinen Lämmchen die lustig umher springen, erreichen wir die Glengoyne Destillerie, die wir für unsere erste Etappe fest mit eingeplant haben. Wir nehmen an einer Führung durch die Destillerie teil, und kaufen wie geplant eine Flasche „Glengoyne 15 years“, die auch widerrum wie geplant zackig in unsere leere Almdudler – Flasche umgefüllt wird. Noch eine kurze Diskussion ob uns der Vorrat auch sicher reicht, dann laufen wir weiter, der Rest der Strecke ist wirklich anstrengend, zumal wir die letzten paar Kilometer an der Straße entlang laufen müssen, unsere Füße brennen ganz schön und wir sind absolut KO. Beim Campingplatz kurz vor Dryman machen wir Schluss für heute. Das denken sich übrigens auch die meisten anderen Wanderer, die wir unterwegs schon getroffen und auch teilweise kennen gelernt haben. Diese tummeln sich alle auf diesem einem kleinen Campingplatz, man wäre dankbar für ein paar Quadratmeter mehr, da hier wirklich Zelt an Zelt steht. Toiletten, Duschen und der Spülbereich befinden sich direkt daneben unter einer alten Scheune. Die Bezahlung erfolgt auf Vertrauensbasis, 5 Pfund sind es, die wir in einen alten Postkasten werfen. Wir freuen uns darüber, unsere eigene Sitzbank zu haben und genießen noch einmal die Sonne, während wir unser Abendessen mampfen, ein leckeres Schwammerlrisotto das wirklich viel besser schmeckt als es aussieht. Einige der West Highland Way Walker laufen noch die 2 km nach Drymen und gehen dort essen oder einkaufen.

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01.05. CP kurz vor Drymen – Ballmaha – Sallochy CP (19km) TAG 2

Nach einer frostigen Nacht genießen wir unser erstes Frühstück noch im Sonnenschein, es scheint ein toller Tag zu werden. Mit klammen Fingern bauen wir unser Zelt ab und packen zusammen. Zunächst einmal laufen wir die Straße entlang weiter, bevor es an Schafsweiden, leicht bergauf in Richtung Conic Hill geht. Mittlerweile sind uns die Rucksäcke schon etwas vertrauter und die Füße haben auch ihren ersten Schock überwunden, offenbar haben sie verstanden das sie da halt jetzt durch müssen. Den Conic Hill, unser erster Schottischer Berg mit gerade einmal 361 Metern bewältigen wir gut, oben angekommen bestaunen wir die wunderbare Aussicht auf den Loch Lomond. Einige der anderen Wanderer laufen noch bis ganz oben zum Gipfel, wir sind aber zufrieden mit dem was wir geschafft haben, außerdem schreit ja schon das Mittagessen ganz laut. Wir laufen ein Stück bergab, mittlerweile ist es auch schon recht windig und ziemlich kalt geworden, ein windgeschütztes Plätzchen ist aber schnell gefunden, dort lassen wir es uns erst einmal schmecken. Nur einen kurzen Fußmarsch weiter bergab erreichen wir Ballmaha, wo wir uns noch einen Kaffee gönnen, zum Aufwärmen. Wir blicken auf die Karte. Unser heutiges Ziel wäre Rowardennen. Aber der Himmel zieht sich plötzlich zu und es fängt an zu regnen. Den ersten Abschnitt am See entlang haben wir uns natürlich schöner vorgestellt, nun kommt die nächste Herausforderung: Dem Regen trotzen. Wir laufen und laufen, irgendwann treffen wir einen netten Schotten, den wir fragen, wie weit es denn noch sei.Voller Inbrunst teilt er uns mit, es wären noch 1,5 Stunden (für 2 km!!). Tropfend lassen wir die Worte auf uns wirken, und beschließen einfach auf der Stelle hier an diesem Spot zu bleiben, dem Sallochy Campingplatz, ein Wild-Camping-Spot mit Toiletten und sonst nichts. Im strömenden Regen bauen wir unser Zelt voll professionell auf. Trotzdem ist alles ziemlich nass und vor allem – Kalt. Wir machen uns vor den Toiletten auf einem 50 cm breiten, trockenen Streifen eine Suppe – und Tütenpudding, was die Stimmung sofort erhellt. Die nette Schottin, bei der wir für den CP bezahlen meint, morgen früh ab 4 sollte der Regen aufhören. Wir beten und hoffen.

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02.05. Sallochy CP – Inversnaid Bunkhouse Hostel (17km) TAG 3

Die ganze Nacht hat es geschüttet und gestürmt, was sich im Zelt noch mal doppelt so schlimm anhört. Doch in der Früh, ab ca. 5 Uhr ist es – Trocken! Wir freuen uns erstmal wie Schnitzel.Aber immerhin haben wir nun wenigstens noch ein bisschen was von unserem schönen Spot am See, wir frühstücken ganz gemütlich, lassen uns Zeit und trocknen unsere Sachen oder versuchen es zumindest. Beim Abschied der netten Schottin, die hier arbeitet, erwähnen wir doch noch kurz die Idee wenigstens eine ganz kleine Überdachung irgendwo an diesem großen Campingplatz zu errichten. Sie scheint darüber nachzudenken. Knapp 2 Stunden später erreichen wir Rowardennen. Weiter geht’s Richtung Norden immer den mal leise mal laut vor sich hin schwappenden Loch Lomond an unserer linken Seite. Der Weg an sich hat es auch echt in sich – es geht hoch, runter, über Steine und riesengroße Stufen. Regen und Wind machen es uns nicht leichter. Nach gefühlten 10 km stellen wir ernüchternd fest, dass wir nur zwei geschafft haben. Und das in knapp zwei Stunden. Auf den Schock essen wir erst einmal was und trinken einen guten starken Kaffee. Daraufhin geht es uns schon wieder besser, das Frühstück war wohl auch einfach zu mager. Fleißig laufen wir weiter und weiter, über Stock und Stein, und werden mit dem Anblick schottischer Bergziegen mit Riesenhörnern und sogar einem Fuchs belohnt. Auch der Wald verändert sich stetig, manchmal fühlt man sich wie in einem Märchen, inmitten des hellgrünen Mooses und der Lichtspiele welche das sich im Minutentakt ändernde Wetter mit sich bringen. Das letzte Stück nach Inversnaid legen wir schon fast einen Spurt zurück. Dort gibt es auch einen tollen Wasserfall und die Aussicht ist bombastisch. In dem auf dem Weg liegendem Hotel erfahren wir, dass es einen Shuttle Bus gibt, der direkt zum Inversnaid Bunkhouse Hostel fährt. Wir sagen nicht nein und lassen uns die 5 Minuten zum „Hostel & Campingplatz“ fahren. Das Camp bei Inversnaid Bunkhouse ist eigentlich eher ein Vorgarten, zugehörig zu einem Restaurant/Hostel/Pub, alles in einem. Früher mal eine Kirche gewesen. Perfekt, und die Sonne ist auch noch rausgekommen! Ein Cider und ein Bier später ist unser Zelt auch schon aufgebaut, wir sind frisch geduscht und freuen uns über den tollen Spot hier. Das Highlight überhaupt: Es gibt einen großen Trockenraum, in dem per Ventilator heiße Luft durchgeblasen wird und die ganzen nassen Sachen im 0 komma nix trocken werden. Am liebsten hätte ich selbst dort drin geschlafen.. Ganz oben in dem Hostel befindet sich das Restaurant, es ist wahnsinnig viel los, aber die Atmosphäre ist lustig und locker, da hier anscheinend ausschließlich die West Highland Way Wanderer verkehren. Zum ersten Mal in meinem Leben probiere ich Haggis, eine Schottische Spezialität aus klein gehackten Innerein. Wirklich sehr lecker und auch sehr nahrhaft! Irgendwie fühle ich mich jetzt sehr müde, beim Blick auf den Alkoholgehalts meines bereits zweiten Ciders irgendwie auch verständlich: 8,4 %.. Noch ein kurzer Tratsch mit dem schottischem Mitarbeiter und schon verfallen wir in einen tiefen Schlaf, begleitet von weiteren schweren Regengetrommel auf unser Zelt.

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03.05. Inversnaid – Beinglas (10km) TAG 4

Es hat so ziemlich die ganze Nacht durchgeregnet, und auch morgens ist es bewölkt und nieselt. Wir trinken erstmal einen Kaffee im Zelt, packen im Regen zusammen und frühstücken. Diesmal die doppelte Portion. Markus wird regensicher verpackt und ich verbringe gefühlte Stunden damit, meinen Rucksack zu verschließen, da die Sachen, die bislang außen am Rucksack angebracht waren, nun innen rein müssen, schließlich erwartet uns wieder ein nasser Tag. Der Pfad am See verläuft genauso weiter, wie er aufgehört hat. Wir passieren kleine Wasserfälle, klettern über Steine und steigen fast vertikale Stufen zu Brücken hoch und wieder hinunter. Beide sind wir froh über unsere Trekking Stöcke froh, die sowohl das Gewicht des Rucksacks ein wenig kompensieren und außerdem unser Gleichgewicht unterstützen. Alles in allem wieder ein anstrengender Tag heute, aber wir sind immerhin schon etwas fitter und ausgeschlafener. Irgendwann denkt man, dieser See nimmt einfach kein Ende mehr, nie wieder. Doch tatsächlich gibt es eins, wir können es kaum glauben und es ist eine schöne Abwechslung, einmal wieder aus demWald heraus zu kommen und über Hügel und einen normalen, geraden Weg zu laufen. Trotz Regen bekommen wir auch schon einmal einen ersten Vorgeschmack auf die Highlands. Schon bald erreichen wir die Beinglas Farm. Mittlerweile schüttet es schon wieder so hinunter, dass wir entscheiden, hier zu bleiben. Direkt neben dem großzügigen Campingplatz befindet sich ein wirklich sehr gemütlicher Pub, in dem auch gleichzeitig eingecheckt wird. Aufgrund des Wetters hätten wir uns heute sogar eine der kleinen Hütten gegönnt, nur sind diese alle reserviert.  Nun gut, so schlimm ist es ja auch nicht, sich im Pub aufzuhalten.  Ausnahmsweise gibt es dann auch eine großzügige Portion Fish und Chips, die so groß ist, dass sie uns sogar für zwei Mahlzeiten reicht. Das Bier schmeckt, die Leute sind nett, es ist trocken – was will man mehr.

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04.05. Beinglas – Tyndrum (20 km) TAG 5

Wir wollen heute etwas früher los kommen, da wir in dem kleinen Aufenthaltsraum mit den vielen anderen West Highland Way Trekkern ein wenig Platzangst entwickeln. Wir fühlen uns mittlerweile großartig, fit und ausgeschlafen. Nur leider nieselt es schon wieder und die graue Nebelsuppe hängt tief im Tal. Unsere ersten Kilometer sind trotzdem schön, es geht an Schafsweiden vorbei, über eine offene, hügelige Landschaft. Bis Crianlarich, wo wir die Hälfte des gesamten West Highland Ways erreicht haben, müssen wir durch ein teilweise knietiefes Schlammfeld laufen. Irgendwie schaffen wir es, drum herum zu klettern. Eine echte Herausforderung und wieder sind wir froh über unsere Trekking Poles, die uns die Stellen vorraussagen, an denen wir wohl versumpfen würden. Letztendlich sind wir von oben bis unten voller Schlamm, Matsch, Kuh- und oder Schafsmist. Na egal, der Regen spült das alles sowieso wieder runter. Das Mittagessen fällt diesmal recht kurz aus, kühlt man doch nach wenigen Minuten ohne Aktivität gleich wieder recht herunter. Die nächsten 10 km laufen wir durch einen super schönen Wald mit hellgrünem Moos und roten Tannennadeln. Auf etwa der Hälfte der Strecke liegt ein Campingplatz, in dessen Rezeption/Café/Shop wir uns einen heißen Kaffee gönnen und uns über die heute gesichtete Highland Rinder freuen. Der restliche Weg zum Campingplatz „By the Way“ in Tyndrum zieht sich dann noch recht und uns brennen schon wieder die Füße. Endlich angekommen freuen wir uns vor allem über die fantastischen Duschen hier, in denen man Tage verbringen könnte. Auch hier gibt es wieder einen Trockenraum. Wir kochen Abendessen, Spaghetti Bolognese und essen gemütlich auf der überdachten Bank. Tyndrum-City wird auch noch besichtigt, diese besteht allerdings nur aus ein paar an der Hauptstraße gelegenen Pubs und Cafés, einer Tankstelle und einem Supermarkt. Wir trinken ein Bier und kaufen noch zwei weitere für den Campingplatz. Dort lernen wir noch ein nettes Pärchen kennen, mit Bier und Whisky klingt der Abend gemeinsam aus.

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05.05. Tyndrum – Inveroran (15km) TAG 6

Am Morgen wieder das gewohnte Nieselwetter. Immerhin ist es trotz Regen nie dunkel, was einem an Anfang noch den Eindruck verschafft hat, es wäre nur ein leichter Schauer, der gleich wieder vorbei geht. Diese Hoffnung haben wir mittlerweile schon aufgegeben. Wir frühstücken und bewundern das Handyfoto des Campingplatz-Besitzers, es zeigt einen Wild-Camping-Spot, den er uns für unsere nächste Übernachtung empfiehlt – Im Schnee! Nur zwei Wochen ist dies her, erzählt er uns stolz. Der erste Abschnitt nach „Bridge of Orchy“ ist nicht so spannend, neben dem Wanderpfad verlaufen parallel Bahngleis und Straße. Wir pfriemeln uns unter dem Bahnübergang durch, welcher eigentlich nur für Schafe gedacht ist. Die „Bridge of Orchy“ ist eine große Steinbrücke die über den River Orchy führt. Wir laufen weiter, es geht stetig nach oben, auf der Erhöhung angekommen, reißt die Wolkendecke auf einmal auf und wir können es kaum fassen, welch wundervolle Aussicht auf die umliegenden teils schneebedeckten Gipfel sich uns offenbart. Ein wenig schade ist das schon, dass wir den ganzen Tag heute noch nichts davon hatten. Aber wir freuen uns trotzdem, mit diesem Anblick belohnt worden zu sein. Weiter geht es, abwärts, am Hotel Inveroran vorbei, nun sind es nur noch ein paar 100 Meter bis zu unserem nächsten Spot. Dieser liegt direkt an einer Brücke am Fluss. Andere Wanderer gesellen sich zu uns, da der Spot wirklich wunderschön ist, und auch nicht zuletzt wegen dem Hotel mit der „Walkers Bar“ und Toiletten fast um die Ecke. Die Bar ist schon am frühen Abend gut besetzt, wir finden aber dennoch ein schönes Plätzchen mit den Zapfhähnen direkt vor der Nase. Wir ratschen mit diesem und jenem, lernen amerikanische Hotelgäste kennen, füllen unser Trinkwasser auf und spazieren zurück zu unserem Zelt, wo wir unseren Gemüsereis kochen. Anschließend liegen wir noch sehr lange im offenen Zelt und beobachten die Wolken. Außerdem sehen wir noch ein paar Rehe, die elegant über die Felder schreiten und ab und zu uns hinüber blicken.

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06.05. Inveroran – Glencoe Mountain (13km) TAG 7

Den Morgen lassen wir recht gemütlich angehen, heute haben wir ja nicht so weit. Nach dem Toilettengang im Hotel, sitzen wir nochmal im Zelt mit unserem Kaffee und genießen den Ausblick. Kein Regen, sogar teilweise Sonne und Wind. Um die 4 Stunden brauchen wir dann zum Campingplatz in Glencoe Mountain. Die Strecke ist super schön, um uns herum Hügel, schneebedeckte Berge, Wasserfälle und Moorgebiete. Der Pfad an sich ist allerdings recht steinig, was auf Dauer wirklich anstrengend und schmerzhaft für die Füße ist, Markus holt sich sogar blaue Flecken an der Fußsohle.. nun wie dem auch sei, die Landschaft um uns reißt es wieder heraus. Auf den vielen kleinen Steinbrücken zwischendurch finden wir immer mal wieder einen Pausenplatz. Der Campingplatz ist dann auch recht bald erreicht, das Kuriose – er befindet sich direkt an einem Skilift. Auf dem Parkplatz vor dem Zeltplatz laufen dick eingepackte Ski- und Snowboarder herum, und das obwohl von unten kein bisschen Schnee auf dem Berg zu sehen ist. Später werden wir noch erfahren, dass sich dieser auf der anderen Seite des Berges befindet, wo die Schneekanonen fleißig arbeiten. Auch an diesem Spot ist mal wieder nicht so viel Platz für die Camper, aber da es noch recht früh ist, können wir uns gleich einen schönen Platz sichern. Wir machen uns etwas frisch, hier gibt es wieder Toiletten und Duschen(1 Pfund). Wenigstens kann man auch mal wieder draußen sitzen, und sich von der in kurzen Abständen wieder kehrenden Sonne aufwärmen lassen. Abends zischen wir dann ein paar Bierchen in der Ski-Lift-Bar mit unseren Freunden, dem Pärchen aus Wuppertal und den drei Herren aus Dachau, quasi ein deutscher Stammtisch den wir hier haben. Wir beobachten interessiert das Getümmel um uns herum, als der Hunger kommt und uns beim Anblick des Essens anderer das Wasser im Mund zusammen läuft, laufen wir etwas angetrunken zurück und kochen uns Chilli mit Bohnen.

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07.05. Glencoe Mountain – Kinlochleven (16 km) TAG 8

Früh singt der Kuckuck, noch vor allen anderen Vögeln ist dieser wach und begleitet uns auf unserer kompletten Wanderung. Hört man ihn gerade nicht, bildet man sich sein Singen ein. Wir lassen es ruhig angehen und laufen als eine der letzten Wanderer los. Das Wetter ist leider mal wieder ziemlich bescheiden, wäre es nicht so gewesen, hätten wir es ja auch fast schon vermisst.. Es schüttet in Bächen, hinzu kommt ein fieser Seitenwind. Eiskalt ist es und wir haben auch noch die Hauptstraße direkt neben uns. Der gefürchtete Aufstieg auf den „Devil´s Staircase“ ist dann gar nicht so tragisch, wie alle befürchtet haben, es geht zwar einen guten Kilometer recht steil nach oben auf den Pass, allerdings nicht vertikal sondern im Zick Zack, was das Ganze wesentlich erleichtert. Von oben angekommen haben wir einen gigantischen Ausblick auf die umliegenden Täler und der Regen ist auch endlich vorbei. Da es recht winding ist, laufen wir erst noch ein ein Stück weiter bergab, wo wir ein schönes windgeschütztes Fleckchen finden für unser Belohnungs-Mittagessen. Wir genießen die Weite um uns herum, die alpine Landschaft und auch das ein oder andere Moorhuhn läuft glucksend herum. Hier gefällt es uns wirklich gut.Bis Kinlochleven zieht sich der Weg dann noch gewaltig, hinzu kommt ein Trail Bike Rennen, im 5 Minutentakt knattern die Motorbikes an uns vorbei. Den ersten Campingplatz, der gleich am Anfang liegt, überspringen wir beherzt, da sich hier die Trailbiker sammeln und eine unsagbare Lautstärke herrscht. Der eine Kilometer zum McDonalds Campingplatz zu dem auch ein Hotel gehört, lohnt sich dann auf jeden Fall noch für uns, der ist wirklich schön, mit viel Platz drum herum und einem tollen Pub mit toller Aussicht. Als die Sonne dann auch noch raus kommt, ist unser Glück komplett. Nachdem wir uns wieder erholt haben, spazieren wir zum Supermarkt und treffen unsere Freunde wieder, verschleppen sie auch gleich zu unserem schönen Pub. Dort lassen wir den Abend mit Bier und Burger ausklingen, anschließend gönnen wir uns alle noch einen Whisky, ausgewählt aus der großartigen Sammlung von 160 verschiedenen. Ein Traum. Wir bereiten dann noch unser Mittagessen für morgen vor, und melden uns im Hotel zum Frühstücken an, damit wir früh loskommen, denn der Tag wird lang genug, was uns allerdings nicht davon abhält, die Aussicht mit einem letzten Glas Whisky zu genießen und den Abend so ausklingen zu lassen.

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08.05. Kinlochleven – Fort William (23km) TAG 9

Das Frühstück im Hotel ist ein Gedicht – es gibt Rührei mit Lachs, dazu Toast und Butter. Wir schlagen uns den Magen voll, um Punkt 8 starten wir unsere letzte Etappe. Die erste Stunde geht’s erstmal nur bergauf, noch dazu ist es drückend schwül, wir schwitzen und entledigen uns schon recht bald unserer kompletten Regenkleidung, schließlich soll doch das Wetter eigentlich heute konstant trocken bleiben. Nach dem Aufstieg führt uns der Weg durch die Highlands, was eigentlich wirklich der Hammer ist, nur hat sich der Regen nun doch wieder zurück gemeldet. Wieder müssen wir all unsere Klamotten anziehen. Es soll noch den ganzen Tag so runter schütten, hinzu kommt auch noch der Seitenwind. Am liebsten würde man einfach zum Himmel springen und mit einer energischen Bewegung die ganze Wolkendecke auf die Seite schieben. Nur einmal für heute. Bei schönen Wetter hätte sich uns nochmal eine schöne Aussicht auf die umliegenden Gipfel offenbart, so sehen wir leider gar nichts. Schon bald baut sich der mächtige Ben Nevis, der höchste Berg Großbritanniens vor uns auf, was bedeutet, es kann nicht mehr weit bis in die Stadt Fort William sein. Die letzten Kilometer bis in die Stadt ziehen sich noch, aber am offiziellen Ende des West Highland Ways freuen wir uns dann sehr, dass wir die 153 Kilometer geschafft haben. Obwohl es sich nicht immer positiv anhört, war es eine sehr tolle Trekkingtour auf der wir viele nette Menschen getroffen haben und eine atemberaubende und abwechslungsreiche Natur erleben durften.

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