Israel und Palästina

 

Neujahr 2016/2017

Israel – ein Land der Kontroversen und ein Schmelzpunkt der Religionen.
Nicht gerade das Urlaubsziel, das auf der Beliebtheitsskala ganz oben ist, vor allem aufgrund der politischen Lage, doch die Geschichte, die Landschaft, die Menschen und die Vielfalt dieses Landes machen eine Reise dorthin auf jeden Fall wert.

Am Flughafen München führt uns ein 10-minütiger Marsch durch eine langgezogene Halle zu „Gate F“, welches aus Sicherheitsheitsgründen ausschließlich für Flüge nach Israel genutzt wird. Die Sicherheitskontrollen sind sehr genau, die Zöllner scannen sogar den Dutt der Frauen ab. Nach nur 3 ½ Stunden Flugzeit landen wir in Tel Aviv, Ben Gurion Airport und fahren für 140 ILS, ca. 30€ per Taxi nach Florentine, einem Stadtteil von Tel Aviv, ins Florentine Hostel. Wir werden freundlich begrüßt, bekommen eine Hausführung und genießen erstmal in Ruhe unser erstes israelisches Bier auf der Dachterrasse. In Israel gibt es zwei Biermarken an die man sich halten sollte: Goldstar und Maccabee. Jeden Abend gibt es die Möglichkeit zusammen mit anderen feierwütigen Gästen eine Runde durch die Kneipen, Bars und Clubs von Tel Aviv zu drehen. Eine gute Idee um schnell Bekanntschaften zu knüpfen, vor allem für Alleinreisende.
Florentine ist ein alternatives Viertel der jungen Leute, der Künstler, der Kreativität und der Musik. Bunte Graffitis an den Hauswänden, viele mit politischen Aussagen und Bildern machen unsere Erkundung zu einem Erlebnis.

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Mit Freunden unterwegs

 

Gleich am ersten Abend treffen wir unseren ehemaligen Mitbewohner aus Queenstown/Neuseeland – Noam, der nur wenige Minuten von unserem Hostel entfernt wohnt. Noam lebt in einer winzigen Wohnung und zahlt verhältnismäßig viel Miete.
Tel Aviv ist keine günstige Stadt – für eine Hauptspeise zahlt man im Schnitt 20 Euro, ein Bier kostet um die 8€.
Am nächsten Morgen schließen wir uns einer Sandeman-Tour an. Sandeman bietet weltweit kostenlose Walkingtouren in fast allen größeren Städten an, für die man am Ende freiwillig Trinkgeld gibt. Somit bekommt man einen guten Eindruck von der Stadt, in lockerer, informativer und lustiger Atmosphäre. Unsere Guide führt uns durch Old Jaffa, dem südlichsten Stadtteil Tel Avivs mit dem ältesten Hafen der Welt.
Enge Gassen und winzige Häuser prägen das Stadtbild, sowie unendlich viele kleine Künstlergalerien, auch hier ist die Kunst allgegenwärtig. Wir passieren die Mahmoudiya Moschee und die berühmte St.-Petrus-Kirche, das Zusammenleben so vieler verschiedener Religionen scheint zu funktionieren.

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Buntes Florentine

 

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Tags darauf haben wir einen Ausflug nach Jerusalem geplant. Die Central bus station ist zu Fuß gut erreichbar und es ist nicht schwer, relativ schnell ein Sherut, ein Sammeltaxi, zu finden, welches uns nach Jerusalem bringt. Für eine Stunde Fahrtzeit zahlen wir 48 ILS, umgerechnet ca. 11€ und der Fahrer lässt einen raus wo man möchte. (Vorausgesetzt man weiß das und er versteht einen.) Während der holprigen Fahrt wird das Geld von hinten nach vorne dem Fahrer durchgereicht.  In Jerusalem angekommen, zieht es uns natürlich in die Altstadt. Wir laufen durch das mächtige Damaskus-Tor und tauchen abermals in eine Welt voller kleiner Gassen ein, die in alle möglichen Richtungen zu verlaufen scheinen. Durch eine gute Beschilderung ist unser erstes Ziel auch gleich gefunden: Die Klagemauer, eine heilige Stätte, zu der jeden Tag tausende Juden pilgern um dort zu beten und Ihre Wünsche auf kleine Zettelchen zu schreiben, die dann in die Ritzen der Mauer gesteckt werden. Von hier aus ist es auch nicht weit zum Tempelberg und zur Al-Aqsa-Moschee. Die Jerusalemer Altstadt besteht aus vier traditionellen Vierteln:
Dem Jüdischen, dem Muslimischen, dem Armenischen und dem Christlichen. Jedes einzelne davon reflektiert seine Religion und die Kultur, im christlichen Viertel werden zu den Feiertagen sogar Weihnachtsbäume aufgestellt. Gleich links der Klagemauer entlang findet man die „Via Dolorosa“, der Kreuzweg Jesu, hier steht das Gefängnis, in dem Jesus die letzten Tage vor der Kreuzigung verbracht hat. Auch das Geburtshaus der Jungfrau Maria ist nicht weit weg.

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Die Klagemauer, mit dem Felsendom im Hintergrund

Auf dem Berg Zion besichtigen wir den Ort, an dem Jesus sein letztes Abendmahl hielt. Von hier oben hat man auch einen tollen Ausblick über ganz Jerusalem, die Judäischen Berge und den Verlauf der Mauer, die Israel von Palästina trennt.
Bevor es wieder zurück nach Tel Aviv geht, gönnen wir uns noch ein paar israelische Köstlichkeiten von verschiedenen Ständen. Heraus aus der Stadt findet man immer irgendwie, trotzdem empfehlen wir, eine Karte der Altstadt dabei zu haben. Obwohl wir noch Stunden hier verbringen könnten, treten wir schon nachmittags den Heimweg an, denn schon bald beginnt der Sabbat.

 

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Die Klagemauer

 

Sabbat beginnt für die Juden am Freitag Abend und endet Samstag Abend bei Sonnenuntergang. Ein Ereignis, das man als Tourist unbedingt beachten sollte, denn in dieser Zeit fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel und Geschäfte und Märkte haben geschlossen. Für die ultraorthodoxen, also strenggläubigen Juden gibt es strikte Vorgaben. Sie dürfen beispielsweise nicht Auto fahren, (es gibt aber spezielle Sabbat-Taxen) keine elektronischen Geräte betätigen und dürfen keinerlei Hausarbeit verrichten. Wir verbringen einen Großteil des Sabbats damit, die lange und gut gepflegte Strandpromenade auf und ab zu laufen und den Kontrast zwischen in die Höhe schießender Hochhäuser auf der einen Seite und die Altstadt Jaffas auf der anderen Seite zu bewundern. Abends gönnen wir uns einen Restaurantbesuch.
Kulinarisch hat Israel viel zu bieten, die hauptsächlich vegetarischen Gerichte beinhalten eine Mischung an unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen, orientalische Gewürze sind hier Standard, Humus und Falafel ein Muss zum Probieren. Aber auch westliche Gerichte wie Pizza und Burger findet man an fast jeder Straßenecke.

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Lecker Brot 🙂

 

Die Silvesternacht verbringen wir mit Noam und seinen Freunden. Völlig unvoreingenommen werden wir in den Kreis mit aufgenommen, alles wird geteilt und es scheint vollkommen egal wo wir herkommen und welcher Religion wir angehören. Wir sind dankbar dafür, mit einer jungen, gemischten Gruppe einen schönen, erlebnisreichen Silvesterabend erleben zu dürfen, gemeinsam laufen wir die Rothschild Blvd entlang und versuchen vergeblich, in einen Club hinein zu kommen, es ist allerdings überall hoffnungslos überfüllt wie überall an Silvester.

Der nächste Tag ist ein Erholungstag (Ist ja auch der 1.Januar), wir besorgen uns frische Aufstriche, Brot, Oliven und geräucherten Fisch für´s Abendessen von einem der berühmtesten Märkte in Tel Aviv, dem Carmel Market. Supermärkte zählen hier nicht viel, denn auf den Märkten bekommt man alles frisch, mit guter Beratung und probieren darf man auch immer. Außerdem entdeckt man hier immer etwas neues. Wir besuchen auch die Touristeninformation, um uns nach einem Leihauto zu erkundigen. Wir werden gut informiert und beraten, entscheiden uns letztendlich dann doch dagegen, denn obwohl man als Tourist hier normalerweise keine Probleme bekommt, kann es beim Auto fahren mit israelischem Kennzeichen eben zu Verwechslungen kommen, vor allem durch Palästina sollte man nicht unbedingt alleine fahren.Ein gemütlicher Abendspaziergang zur Dämmerung in Old Jaffa ist Pflicht, es ist wunderschön, in Ruhe und ohne Touristengruppen durch die kleinen Gassen zu schlendern, am Hafen die vielen kleinen Boote anzusehen und die Atmosphäre der Stadt in sich aufzunehmen.

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Die Geburtskirche Jesu

 

Tags drauf zieht es uns nach Bethlehem, der Stadt, von der man sich außer den Bibelerzählungen nicht besonders viel vorstellen kann. Mit dem Sherut geht es wieder nach Jerusalem, dort steigen wir in einen Bus um, der uns nach Bethlehem bringt. Beim Passieren des Check Points zu Palästina sehen wir Unmengen an Schildern mit Warnungen für Israelis – eine Einreise kann hier tödliche Folgen haben. Etwas außerhalb von Bethlehem werden wir aus dem Bus gelassen. Es ist nicht so leicht sich hier zurecht zu finden, nachdem wir ein wenig verwirrt durch die Straßen laufen, finden wir schließlich den Hauptplatz und unser Ziel: Die „Church of Nativity“ – Die Geburtskirche Jesu.

Leider ist diese wahnsinnig überfüllt, die Touristenmassen drängeln sich durch die kleinen Kirchengänge, Kinder schreien und Handys läuten. Somit geht für uns die Atmosphäre ein wenig verloren. Wir besichtigen noch die Milchgrotte. Dort ist es für uns wesentlich angenehmer da sie von den größeren Touristengruppen anscheinend nicht besucht wird. Nach einem Kaffee am Hauptplatz und einem Besuch in der sehr informativen und gastfreundlichen Touristeninformation, spazieren wir noch durch die Altstadt Bethlehems, in der sich ein Souvenirladen an den anderen reiht, verkauft werden hauptsächlich Krippenfiguren aus Holz. Da aber die Zahl der Übernachtungsgäste mehr und mehr ausbleibt, stehen sich die Hotel- und Ladenbesitzer die Beine in den Bauch und leiden darunter, immer weniger durch ihre Arbeit einzunehmen. Grund dafür sind die immer wiederkehrenden Unruhen.

Für unseren letzten Tag haben wir eine geführte Tour geplant, auch mal schön wenn man selbst nicht fahren muss. In einem großen Reisebus geht es zunächst einmal nach Jericho. Mit über 300 Metern unter dem Meeresspiegel gilt Jericho als die tiefste und auch die älteste Stadt der Welt. Ahmed, unser Guide, führt unsere Gruppe durch die älteste Siedlung der Welt. Da Jericho schon insgesamt 23mal besiedelt wurde, gibt es unendlich viele alte Ruinen, ein Mekka für jeden Archäologen. Ein Highlight ist auch der Blick auf ein uraltes Kloster, welches vor langer Zeit von nur 20 Mönchen erbaut wurde und in dem heute immer noch 2 Mönche leben. Und genau auf diesem Berg begegnete Jesus auch dreimal dem Teufel!

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Und immer den Snake Path entlang…

Und schon geht’s weiter, am toten Meer entlang, zu einer ehemaligen jüdischen Festung – Masada, UNESCO Weltkulturerbe seit 2001. Dort angekommen, gibt es die Möglichkeit, auf den 400 Meter hohen Felsen über den „Snake Path“ zu laufen oder per Seilbahn nach oben zu fahren. Von oben hat man eine gigantische Aussicht auf die Negev Wüste bis nach Jordanien und auf das tote Meer. Auf diesem Tafelberg befinden sich noch alte Ruinen, die an die Tragödie erinnert, die hier vor langer Zeit statt gefunden hat, als die Festung von den Römern überrannt wurde. Das komplette jüdische Volk hat sich hier kurz davor das Leben genommen, um einer Versklavung zu entgehen.

 

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Aussicht über das tote Meer und die Negev Wüste bis nach Jordanien

 

Nach einer kurzen Erholungspause fahren wir weiter zur nächsten Station: En Gedi. Eine grüne Oase mit vielen tollen Wanderrouten mit bis zu 6 Std. Auf einer kleinen Wanderung kommen wir zu einem Wasserfall. Von dort aus beobachten wir den ein oder anderen Steinbock und viele süße „Rock Hyraxe“, eine Art Murmeltier. Hinzu kommt eine fantastische Vogelwelt, eine wirklich schöne Oase inmitten des trockenen Landes. Mit leichter Verspätung kommen wir schließlich an unser letztes Ziel und auch das Ziel, worauf wir uns fast am meisten gefreut haben – Das Tote Meer. Auch wenn es schon fast dämmert schmeißen wir uns begeistert in unsere Badeklamotten und springen ins Wasser.

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Rock Hyrax(links) trifft auf Steinbock

Der Salzgehalt des Toten Meeres liegt bei 33%.
Im Vergleich beträgt der Salzgehalt des Mittelmeeres 3,8%.
Das macht es möglich, sich im Wasser treiben zu lassen, ohne sich bewegen zu müssen. Wir haben einen Mega Spaß, viele Leute reiben sich auch mit Schlamm ein, dies hat eine heilende Wirkung auf den Körper und sorgt für zarte Haut. Bevor es wieder zurück geht, genießen wir noch den Sonnenuntergang und den Blick auf die Berge Jordaniens auf der anderen Seite des Sees. Für Leute, die hierher kommen und ein bisschen mehr Zeit mitbringen, bieten sich dort auch Übernachtungen – kleine gemütliche Bungalows, und es gibt sogar eine Strandbar.

 

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Sonnenuntergang über dem toten Meer

 

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Badespaß

 

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Tel Aviv bei Nacht

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