Weltreise Teil 9 – Laos, Luang Prabang, Vang Vieng, Phonsavanh

Eine anstrengende 36 Stunden Busfahrt liegt vor uns. Zuerst geht es mit zwei verschiedenen, aber gleich ungemütlichen Schlafbussen an die Chinesisch – Laotische Grenze. Alles läuft reibungslos, der chinesische Zoll wie gewohnt pompös, der Laotische gleicht eher einem Bauernhof. Hühner laufen umher, die Zöllner haben verschieden farbige Pullover an, sogar ein Volleyballfeld gibt es.

Ein total verblichenes Papier auf dem „Check In“ steht weißt uns den Weg. Unser Visum on arrival klebt schneller im Pass als wir die Formalitäten ausfüllen können. Nach der Grenze fahren wir mit einem total überfüllten Bus nach Luang Prabang, ich muss auf einem Plastikstuhl in der Mitte sitzen. Aber es hat sich gelohnt, wir kommen in einem kleinen Paradies direkt am Mekong an, wir finden auch sofort ein Gästehaus das uns gut gefällt. Die darauffolgenden Tage verbringen wir ausschließlich mit Ausspannen, gutem Essen, Trinken und Hl. Abend feiern.
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Sehr herzliche und offene Laoten (naja, das Kind ist misstrauisch)
Nach knapp einer Woche müssen wir uns doch mal wieder von der schönen Ortschaft trennen und fahren weiter nach Vang Vieng. Wir wissen nicht viel über diese Stadt, nur dass es für Silvester ein guter Platz zum feiern ist. Schnell stellen wir fest das hier etwas nicht stimmt. Die Touristen werden mit „Spezial Menüs“ bei Laune gehalten und der Alkohol fließt auch in Strömen. Wir schaffen es wieder mal nichts zu machen, außer eine Fahrradtour zu einer Blauen Lagune und Tuben. Tuben ist eine der Hauptattraktionen des Ortes. Man mietet sich einen aufgeblasenen LKW Schlauch, lasst sich ein paar Kilometer mit dem Tuk Tuk den Fluss stromaufwärts bringen und lässt sich dann treiben. Anfangs gibts gleich unzählige Bars, die Barkeeper schütten einem zur Begrüßung Lao – Whiskey in den Mund und man kann mit überdimensionalen Rutschen ins Wasser springen. Nachdem man das alles überstanden hat und noch stehen bzw. im Reifen sitzen kann, treibt man stundenlang wieder Richtung Vang Vieng zurück. Sonnenbrand und Kopfweh vorprogrammiert.
Der Silvester Abend artet letztendlich in eine riesengroße Woodstock Party aus, nur ohne Hells Angels. Wir genießen es in einer Hängematte, die sich nach ein paar Stunden wie unser eigener Cocoon anfühlt. Die Leute drehen in ihren Hippiegewändern total ab, tanzen ums Feuer, Jonglieren, essen komische Sachen und trinken aus Eimern. Also das war echt eine witzige Nacht, sofort wieder!
Auch von diesem verzauberten Ort können wir uns nur sehr schwer trennen, bald soll es nach Vietnam gehen und wir haben noch keine Ahnung wie. Deswegen fahren wir erst einmal ein Stück weiter östlich um einen kleinen Zwischenstopp in Phonsavanh einzulegen. Wir haben so gut wie keine Ahnung wo es uns hin verschlägt, wir wissen nur von der „Ebene der Tonkrüge“.
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Die Ebene der Tonkrüge
Wir kommen in eine relativ große Stadt im runtergekommenen Sowjet – französischem Stil. Das macht das ganze etwas unsympathisch, als wir dann Abends im Restaurant von einem Mann mit dem Messer bedroht werden ist uns schnell klar das hier etwas nicht stimmen kann, was sich am nächsten Tag auch bestätigen wird.
Wir besuchen mit einem Einheimischen die „Ebene der Tonkrüge“. Sehr interessant sich das anzusehen, nur leider weiß niemand wie alt diese sind, woher sie kommen und für was sie gedacht waren. Langsam stellen wir fest, wir sind mitten in einem, teilweise noch aktiven, Kriegsschauplatz gerutscht. Während des Vietnamkrieges hat die CIA unzählige Luftwaffenstützpunkte gebaut um Heroin gegen Opium zu tauschen (angeblich immernoch) und von den Hmong (Bergbewohner) den Dschungelkampf zu lernen. Um es kurz zu halten, die Amerikaner haben irgendwann das ganze Gebiet komplett ausgebombt. Hier gingen mehr Bomben runter als in Deutschland und Japan während dem kompletten zweiten Weltkrieg zusammen – und dass obwohl Laos neutral war!
Wir fahren also von der ersten Ebene weg, vorbei an einem CIA Stützpunkt, vorbei an Bombenkratern und Minenfeldern. Wir sehen Entschärfungsteams und wie die Menschen damit leben müssen. Zum Beispiel besuchen wir ein Dorf; die Häuser werden auf alten Bomben gestützt und aus den gefundenen Blindgängern Löffel und Schmuck hergestellt. Noch während wir beim Gießen zusehen, explodiert ein paar hundert Meter weiter eine größere Bombe, sodass wir noch eine leichte Druckwelle abbekommen und den Gesteinsregen hören können. Ziemlich schockiert gehts dann weiter durchs Hmong – Guerilla Randgebiet, auch hier sehen wir Menschen mit alten Maschinengewehren auf Rollern fahren. Wieder ein paar Meter weiter findet ein Pärchen eine Clusterbombe. Wir sind froh als wir dann endlich die Nachhausefahrt antreten, die Ereignisse haben sich dann doch ziemlich schnell überschlagen und wir sind ziemlich schockiert, man hört viele solcher Geschichten, aber mit den eigenen Augen sieht man so etwas doch anders. Wir konnten dann noch einen Film sehen über die Sperrzone, keine 100km entfernt von Phonsavanh, wo noch heute gekämpft wird, manchmal wissen die Hmong im Hochland nicht einmal, dass der Krieg seit über 40 Jahren beendet ist. Der Film heißt „The most secret place on earth“, eine deutsche Produktion, sehr empfehlenswert.
Wenn man sich heute in Laos so umsieht entdeckt man viele Hilfsorganisationen aus Deutschland, Schweiz, Frankreich, Australien usw. wie z.B. World Vision, UNESCO, UNICEF, Rotes Kreuz usw, eine amerikanische Hilfe haben wir nicht gesehen und sollte es wirklich so sein ist das die größte Frechheit die uns je unter gekommen ist!
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Basic Cooking
Wie hat uns Laos gefallen?
Laos PDR heißt nicht nur „Peoples Democratic Republik“ sondern auch „Please dont rush“. Von der unglaublichen Ruhe lässt man sich schnell anstecken, hier laufen die Uhren tatsächlich langsamer. Selbst wir schaffen es eine Woche nur nach der Sonne zu leben und fast nie auf die Uhr zu sehen.
Laos ist sehr arm und die Vietnamkrieg Geschichte hängt noch sehr nach. Trotzallem sind alle Menschen unglaublich freundlich, grüßen und lachen immer.
Die Ruhe ist wirklich unglaublich. Während Kellner die Tische abräumen, setzen sie sich gerne hin und machen eine lange Pause (Schöne grüße nach Kitz 😉 ) und auf ein Baguette kann man auch mal 1 ½ Stunden warten. Uns hat wirklich gar nichts gestresst und wir wären froh, wenn wir wieder her kommen können, auch um den Einheimischen etwas zurück zugeben.
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Bedarf keiner Worte

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