Weltreise Teil 7 – Ulaanbaatar, Mongolei – Nomadenleben und klirrende Kälte

Dezember 2011

Es ist eisig kalt. Es bilden sich Eisbrocken zwischen Nase und Mund. Auf der Mütze bilden sich Eiskristalle, selbst Helgas Haare werden ganz weiß wegen der Eiseskälte. Eine Stunde laufen wir und müssen aufpassen nicht in offene Gullideckel zu fallen. Viele Straßenkinder leben im Winter hier, die in der Kanalisation und den Heizungschächten Zuflucht vor der Kälte suchen.
Als wir nach einer Stunde endlich auf dem Aussichtspunkt stehen sehen wir zum erstenmal, wie Ulaanbaatar wirklich gegliedert ist und wie die Natur außenrum so aussieht. Die Stadt mit 1.044.500 Einwohnern sieht aus, als würde sie aus vielen kleinen Dörfchen bestehen. Außenrum erheben sich hohe, kahle Berge – bedeckt mit Schnee und Eis. Das ist auch der Grund wieso es in UB so kalt ist. Eingekesselt auf über 1350m Höhe. Der Smog steht über den Häusern und man kann überall Rauch und Abgase sehen. Wenn nicht wirklich schön, ist es doch ein toller Eindruck!
Nach drei Stunden bei ca. -15°C kommen wir total durchgefroren im Hostel an.
Währenddessen hat unser Freund Kosuke einen ehemaligen Arbeitskollegen ausfindig gemacht. Er holt uns am frühen Nachmittag mit seinem Geländewagen ab und kauft ein paar Bier, dass wir sofort probieren müssen, denn es ist mongolisches Bier. Unser neuer Freund ist Investmentbanker, gut gekleidet mit einem langen schwarzen Mantel, kariertem Schal und Lacklederschuhe. Nahe des Flughafens, etwas außerhalb der Stadt zeigt er uns ein Jurtencamp. Es ist total warm in dem klassischen „Mongolenzelt“. Viele originale Rüstungen aus Chingis Khans  Zeit hängen drin, sowie Jagdsouvenirs wie Wölfe und Schneeleoparden – diese werden angeblich gejagt um die Population zu kontrollieren. Wir besichtigen auch die größte Jurte der Welt, ein eindrucksvolles „Gebäude“ wenn man so will. Wir sind total überrascht, unser „Guide“ ist wirklich total super zu uns, obwohl er uns nicht kennt und wahrscheinlich auch nie wieder sehen wird. Zum Schluss lädt er uns noch auf einen Mongolian Tea ein. Frische Kuhmilch, erwärmt und gesalzen, ein etwas merkwürdiger Geschmack anfangs, aber man gewöhnt sich in kürzester Zeit daran und wir mögen es dann auch gleich ganz gern.
Tags drauf starten wir zu unserem bisher größten Abenteuer, was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, auch dem ekligsten. Vier Tage werden wir zu dritt, wieder ist Kosuke mit dabei, bei Nomaden verbringen. Wir fahren in den Terelj Nationalpark, es scheint wärmer zu werden und die Sonne zeigt sich bei wolkenlosen Himmel. Wir kommen zu einer Familie mit drei Jurten, gut geschützt zwischen eindrucksvollen Felsgebilden. Pferde, Hunde und ein Kamel laufen frei um uns herum. Wir verbringen unseren ersten Tag mit Reiten und dem Erkunden des Gebietes. Nach Sonnenuntergang wird’s unbeschreiblich kalt. Wir heizen richtig ein und essen eine Kleinigkeit. Nachdem unsere einzige Kerze erloschen ist, legen wir uns in zwei Schlafsäcke und schlafen. Nach ein paar Stunden ohne Feuer ist es dann doch etwas kalt, besser wir nehmen unsere Kleidung und die Getränke mit ins Bett. Früh am nächsten morgen machen wir uns weiter auf den Weg 400km östlich, dank ein paar technischen Problemen schaffen wir unser Ziel heute nicht mehr. Unser Fahrer bringt uns zu seinem Bruder und dessen Familie, diese empfangen uns total herzlichen, geben uns Tee und Weizengebäck. Die Familie möchte sofort ein paar Fotos machen lassen, Kameras bekommt man hier nicht oft zu sehen, auch wenn hier doch wieder Strom vorhanden ist. Da darf der Fernseher natürlich nicht fehlen. Auf dem Feuerofen in der Mitte wird inzwischen das Abendessen gekocht. Wir bekommen Boozz, der Europäer würde Tortellini sagen, gefüllt mit Lamm Hackfleisch. Dazu ganze Lammkeulen. Unser Fahrer zeichnet sich als exzellenter Barbar aus und kann mit nur einem Messer und dem Mund, sagen wir mal als Greifwerkzeug, die Keule mit allem drum und dran runter schlingen. Soweit alles okay, als er aber dann mit uns am Tisch, den Knochen auf klopft um ans Knochenmark zu kommen wird’s uns allen doch etwas anders. Als Anmerkung, dass Geräusch von Knochenmark das aus dem Knochen flutscht, hört sich an wie Grillsoße die mit viel Vakuum nur schwer aus der Flasche geht.
Vorm Bettgehen wird noch mit Yak Dung eingeheizt. Es stinkt nicht und macht sehr warm. Trotzdem hoffen wir, dass es die letzte Nacht mir Kot neben unserem Bett bleibt.
Am nächsten morgen gibt es zur Abwechslung die Reste vom Vortag. Wir können im Moment nichts essen, Vodka wäre besser, aber den haben wir gestern schon gebraucht.
Vormittags geht’s zum Karakorum Tempel. Die ehemalige Hauptstadt des Chinesischen Reiches und Sitz von Chinggis Khan. Wir betreten eine Jurte, es riecht nach Räucherstäbchen, vier Mönche sitzen drin, beten und machen mit traditionellen Musikinstrumenten viel Lärm. Wir lassen uns in den tibetischen – buddhistischen Tempeln die verschiedenen Buddhas erklären. Bei bis zu – 29°C tun wir uns aber hart und müssen bald zum Auto zurück kehren.
An diesem Tag fahren wir noch ein kleines Stück weiter bis zur Mini – Gobi Wüste. Sie liegt ein Stück entfernt von der Wüste Gobi, trotzdem sind wir von Sanddünen und Kälte umgeben. Hier gefriert sogar der Sand! Unser neuer Nomaden Stamm führt uns auf ihren zwei Kamelen etwas herum. Wieder bei super Sonnenschein und die Temperatur ist auch okay. Wir kehren zurück in unsere Jurte, ein Schwall nach Extrementen riechender Dampf fliegt uns ins Gesicht, wir vermuten es wird das Abendessen sein. So ist es dann auch, zur Abwechslung gibt es Boozz und Lammkeulen. Um das ganze noch etwas abzurunden haben wir heute auch noch gekochten Lammmagen auf der Speisekarte. Deswegen auch der Gestank. Wie immer alles total Zäh und ungewürzt müssen wir uns heute ein letztes mal von Vodka ernähren und hoffen morgen etwas anständiges zu bekommen, dann geht’s auch mal wieder ohne Alkohol.376054_2619069043465_2088897756_n
Gerne probieren wir die Landestypischen Spezialitäten, aber das war eindeutig zu viel des guten, mit Appetit, Kultur und Kulinarik hat das alles nichts zu tun und tapfer wie wir sind, gehen wir an unserem letzten Abend, zurück in UB, in ein typisch Japanisches Lokal und lassen uns „verwöhnen“.
Es war eine schöne interessante Zeit in der Mongolei, aber mit der permanenten Gewalt, Armut, Kinderarbeit, Schmutz, Smog und anderen Negativen Dingen reicht es nach einer Woche ganz schnell. Wir sind den Familien total dankbar, sie waren total nett und gastfreundlich. Eine total aufregende Woche!

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