Weltreise Teil 11 – Kambodscha, Phnom Phen, Battambing, Siem Reap mit Angkor Wat

Januar 2012
Noch rechtzeitig vor dem chinesischen Neujahr schaffen wir es in die Hauptstadt Kambodschas – Phnom Phen. Dort erleben wir ein Straßenchaos das seines gleichen sucht. Hausnummern und Straßennamen kommen öfter als einmal vor, so kann man nach seinem Hostel wie folgt zählen „3, 29, 2a, 5, 101, 12 usw.“ Doch danach kann man sich ganz beruhigt in den Hinterhof seiner Unterkunft setzen und dem Treiben eines Betriebs zusehen, der in Mafiakreisen wahrscheinlich auch nicht anders aussieht – Willkommen in Kambodscha!

Phnom Phen hat außer dem Königspalast und einem erhobenen Tempel nichts zu bieten, man kann vielleicht noch für Geld auf Hühner schießen, aber das ersparen wir uns lieber. So geht es nach zwei Nächten auch gleich weiter ins Landesinnere, nach Battambang. Wir werden mit einem Schild von einem Tuk Tuk Fahrer (Tuk Tuk = Moped mit königlichem Anhänger) Namens Nicky kostenlos abgeholt. Dieser hat genug Zeit und Geduld um uns von einem Hotel zum nächsten zu fahren, damit wir die Preise vergleichen können. Letztlich finden wir ein Zimmer für 4 Euro pro Nacht für zwei Personen, unser günstigstes Zimmer bisher!
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Der Bambuszug nähe Battambang
Noch am gleichen Abend heuern wir Nicky für eine Tour an, um die Umgebung zu erkunden. Voller Freude darüber, werden wir sofort in einen Biergarten, wie er es nennt, wir würden eher sagen einen Gemeindesaal, gebracht, um mit ihm zu feiern. Am Eingang weist ein Schild darauf hin, dass man keine Waffen mit hinein nehmen darf, diese kann man wie an einer Garderobe abgeben. Karaoke ähnliche Musik füllt den Raum, Menschen aller Altersklassen sitzen an Plastiktischen mit Karaffen voll Bier, ein Polizist steht auf der Tanzfläche und wir haben damit zu tun, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Was ganz lustig klingt, wäre später fast in einer Katastrophe ausgegangen. Ganz unauffällig folgt uns Nicky immer auf die Toilette und auch sonst lässt er uns keine Sekunde aus den Augen. Ein paar Bierchen später können wir die Freundlichkeit der uns immer wieder auffordenden Leute nicht ausschlagen und begeben uns mit auf die Tanzfläche um mit komischen Handbewegung, wie hier üblich, mit zu tanzen. Gebräuche und Sitten sind uns in diesem Ambiente total fremd und so finden wir es auch in Ordnung, wenn andere mit uns tanzen möchten – da sie eh alle wie Affen um uns herumstehen. Im selben Moment gibt uns Nicky ein Zeichen, dass wir sofort verschwinden sollen, wir „flüchten“ in sein Tuk Tuk und werden aufgeklärt, dass solche Tanzaktionen gerne für Schlägereien und Schießereien genutzt werden. Nochmal gut gegangen.
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Ohne Worte
Am nächsten morgen werden wir pünktlich abgeholt und es geht gleich mal in ein Dorf Nähe Battambang, indem die Khmer (=Kambodschaner) noch ganz traditionell leben. Wir fühlen uns etwas ins Mittelalter versetzt. Uns wird die Reispapier Herstellung gezeigt, der Reisanbau und die Herstellung von Fischpaste, bei welcher wir uns sicher sind, dass die Menschen, die diese herstellen, absolut keinen Geruchssinn mehr haben. Schon gleich geht’s weiter zu dem einzigen Winzer in Kambodscha, ein Glas Wein und ein Brandy nach dem Fischgestank wirkt wahre Wunder!
Der absolute Höhepunkt des Tages rückt näher, eine Fahrt mit einem Bambuszug. Zwei Achsen mit einer Bambusplattform und Rasenmähermotor bringt uns auf total krummen Schienen zu einem kleinen Kiosk. Wenn ein Zug entgegen kommt, wird dieser einfach abgebaut, der eine Zug passiert und der andere wird im Handumdrehen wieder zusammen gebaut. In dem Kiosk dürfen wir, für Kambodscha, etwas seltenes erleben. Eine ganze Familie! Oma, Opa, Kinder und Enkel betreiben diesen Betrieb. Eine der wenigen Familien die nicht unter dem Regime der Roten Khmer zum Opfer gefallen ist. Mindestens die Hälfte der Bevölkerung wurde vor 40 Jahren getötet, um ein dummes Volk zu schaffen. Am Ende des Tages sehen wir uns noch ein „Killing Cave“ an. Eine Höhle, in der die Menschen während der brutalen Zeit zu Tode geprügelt und anschließend in die Höhle geschmissen wurden. Da läuft es einen eiskalt den Rücken hinunter.
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Im Inneren der Tempel
Ein toller Abschluss war, dass wir noch die Zeit hatten und Millionen von Fledermäusen aus ihrer Höhle fliegen sehen.
Zwei Tage später geht’s gleich weiter nach Siem Reap, ein Unterschied wie Tag und Nacht, denn so authentisch Battambang war, so touristisch ist Siem Reap. Der Grund ist natürlich Angkor Wat, die wohl größte Tempelanlage der Welt, mit mehr als 1000 Tempeln. Wir gönnen uns drei Tage in dieser Gegend, einzig der Eintrittspreis von 40 Euro bereitet uns etwas Magenschmerzen – doch es wird sich lohnen. An Tag eins geht’s gemütlich vorran, Angkor Wat und das Bayon, wobei wir das Bayon um einiges Eindrucksvoller empfinden. An den darauffolgenden zwei Tagen werden mit dem Fahrrad 80km runtergeradelt. Eingestürzte Tempel, die von Würgefeigen umschlungen werden, renovierte Tempel die an einen Indianer Jones Film erinnern und viele weitere tolle Kulissen machen den Besuch zu einem Erlebnis. Einziger Wermutstropfen ist das Chinesische Neujahr, dass uns Millionen von Chinesen bescheren und das ganze etwas stressig macht, trotzdem kann man ruhige Tempel finden, in denen man fast ganz allein ist.
Angkor Wat ist auf alle Fälle einen mehrtägigen Besuch wert, die Anlage ist unsere beeindruckendste Sehenswürdigkeit während unserer Reise.
Wie hat uns Kambodscha gefallen?
Oberflächlich wirkt Kambodscha wie ein Land voller lächelnder, glücklicher Menschen, aber bei näheren Hinsehen hinterließ das Pol Pot Regime (Rote Khmer) ein zutiefst traumatisiertes Volk.
Die Khmer sind nicht nett, aber auch nicht unhöflich, man hat eher den Eindruck, dass ihnen die Touristen egal sind.
Auch wenn alles „ganz normal“ wirkt, wie es eben in einem Land wie diesem wirken kann, muss man sich trotzdem bewusst sein, dass man sehr schnell unter die Räder kommen kann.
Auch steht Kambodscha noch ziemlich am Anfang des Tourismus, was hoffentlich auch erstmal so bleibt, denn nur so kann man das Land auf authentische Weise kennen lernen, und es ist außerdem wichtiger für die Leute, erstmal selber wieder auf die Beine zu kommen und ihr Land neu aufzubauen.

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