Weltreise Teil 10 – Vietnam

Wir kommen in einem total verregneten und ungemütlichen Busbahnhof in Vinh, Zentralvietnam an. Aufgrund der Wetterlage beschließen wir, dass wir sofort am nächsten morgen weiter in Richtung Süden nach Hue fahren. Leider ist das Wetter dort genauso schlecht. Wir trotzen dem Regen und besichtigen die im zweiten Weltkrieg zerbombte verbotene Stadt.

Tags drauf geht es sofort weiter nach Hoian, wir haben viel gutes von anderen Reisenden gehört. Die UNESCO Weltkulturerbe Stadt soll total atemberaubend sein, wunderschön und ruhig. Uns trifft beinnahe der Schlag als wir dort ankommen. So eine hektische, nicht authentische und unfreundliche Stadt ist uns bisher nicht untergekommen. Total überteuerte Straßenstände und Souvenirshops verteilen sich in der ganzen Stadt, man hat das Gefühl man ist in Disneyland gelandet und nicht „im alten Vietnam“, wie es so schön heißt. Der angebliche Charme der Stadt kommt bei uns nicht an, sodass wir uns zum Ausruhen verdammt fühlen. Und schon fahren wir weiter nach Nha Trang. Hier kommen wir schon besser klar. Ein wunderschöner Sandstrand mit Palmen gesäumt und eine geniale Küche schreien nach uns. Aber auch hier lässt der Regen nicht lange auf sich warten. Die Reisezeit wäre perfekt, laut verschiedener Internetdienste regnet es im Januar durchschnittlich einen Tag, wir erwischen aber einen Philippinischen Monsunausläufer und waren schon kurz davor sofort weiter nach Kambodscha zu fahren. Schade wäre es nur, wenn wir Vietnam verlassen würden ohne etwas gesehen zu haben. Kurzfristig entscheiden wir uns, Motorrad Guides zu mieten die uns bei einer fünf tägigen Tour von Nha Trang nach Ho Chi Minh Stadt über das Hochland bringen. Unsere Fahrer Endy und Duc sind sogenannte Easy Rider, die unser Gepäck gekonnt hinten aufs Motorrad binden und mit viel Spaß, aber noch mit anhaltenden Regen zu unserer ersten Station Da lat fahren. Diese Ortschaft lebt offensichtlich von Blumenzucht. Auf 1800m.ü.N. steht ein Gewächshaus nach dem anderen und man entdeckt überall Vietnamesen die ihre Flitterwochen in der Stadt verbringen. 2001 und 2004 war die Gegend für Touristen gesperrt, da der anhaltende Religionskrieg zwischen Christen und Buddhisten immer wieder zu Ausschreitungen führt. Im Hotelzimmer angekommen werden erst einmal alle Sachen getrocknet, die Schuhe sind ein Swimming Pool und alles andere tropft trotz Regenkleidung vor sich hin. Hunger bahnt sich an und ohne Pause werden wir in ein super Vietnamesisches Lokal gebracht. Obwohl die Vorspeise aus Schnecken besteht, bekommen wir Lust auf viel mehr. Eingelegtes Rindfleisch und Tintenfisch sowie ganz viel Gemüse kommen auf den Holzkohlegrill auf unseren Tisch. Begleitend dazu trinken wir „Hot Wine“, was unserem Jagertee gleichkommt und nach einigen Runden Mo – Hai – Bo – JO (eins – zwei – drei – Prost) schaffen es unsere Fahrer sehr gesprächig zu werden. Helga darf sich interessante Kriegsgeschichten in einem sehr schwer verständlichen Englisch anhören, ich muss Liebesgeschichten von Duc ertragen. Müde fallen wir ins Bett und am nächsten morgen geht’s um acht weiter. Wir sind alle fit und freuen uns auf den bevorstehenden Tag. Duc ist ein ziemlicher Morgenmuffel, was mir zugute kommt, dann brauch ich mich vor zehn Uhr auf dem Motorrad nicht unterhalten. Es geht in Richtung Dak Lak, wir nehmen ziemlich verträumte Strecken durch Bergdörfer, von Minderheiten bewohnt, die sicher noch nie weiße Menschen gesehen haben (oder wie Duc meint, Aliens), alle sind freundlich zu uns, winken und sagen Hallo, teilweise kommen diese aus dem Haus um uns zu sehen, die Mädls kichern, die Jungs versuchen irgendetwas auf Englisch zu sagen.
Unserem Hintern zur Freude wird überall Gestoppt wo wir wünschen, wir besichtigen eine Seidenfabrik mit den Seidenspinnerraupen, Kaffee- und Teeplantagen, Wasserfälle, noch mehr Bergvölker, deren Sprache die Vietnamesen im übrigen nicht verstehen, Cashewnuss- und Kautschukbäume, Krokodile, eine drei Meter Phyton wird um unseren Hals gelegt und wir müssen Schnaps mit eingelegten Skorpionen probieren. Abends kommen wir in ein Dorf, in dem wir bei Einheimischen in einem auf Stelzen gebauten Langhaus wohnen dürfen. Der Haken war, wir hatten keine Toilette, geschweige denn Wasser und früh morgens wird man von Kühen, Schweinen, Hühner und undefinierbaren Geräuschen geweckt. Da das nicht genug ist werden wir von einem Elefanten geschockt, der auf der Straße direkt an unserem Eingang vorbeilauft. Es bleibt wenig Zeit um das Dorf zu genießen, es geht sofort weiter nach BMT, wieder mit genügend Stopps, Sonnenschein, extra bestellt für Duc’s 26. Geburtstag, der am Abend in einer Karaoke bar feiert. Karaoke ist hier eine ziemlich heftige Angelegenheit. Anstatt Discos oder Kneipen treffen sich die Einheimischen dort, indem man sich einen privaten Raum mietet, ein Kasten Bier kommt rein, Knabberzeug und dann geht’s los. Es ist vielleicht nichts für intensive Gespräche mit westlicher Musik, Spaß hat man aber trotzdem wie die zwei Fahrer total durchdrehen und ihre Vietnamesischen Volkshits ins Mikrofon brüllen.398457_2946266703202_644044896_n
Total fertig und fast Taub fallen wir ins Bett – wir beseitigen noch Kondome (verpackte!) die der Vorgänger wohl unterm Kissen vergessen hat und schenken diese Duc – dem kleinen Gigolo.
Heute haben wir acht Stunden Fahrt vor uns, wir fahren den Ho Chi Minh Pfad entlang in Richtung Süden. Auf diesem Pfad wurden während dem Krieg vom Vietcong Waffen von Norden nach Süden durch dichten Urwald geschmuggelt, weshalb dies auch eines der am stärksten bombardierten Gebieten in Vietnam ist. (Dieser Pfad führt im übrigen auch durch Ponsavanh/Laos, dort haben die Amerikaner ohne Rücksicht alles versucht um diesen Weg zu zerstören.) Heute ist der Weg relativ gut ausgebaut und zum größten Teil gesäubert – und der Urwald existiert hier leider nicht mehr.
Mit Schmerzen am Gesäß schleppen wir uns Abends vom Hotel zum letzten Abendessen mit unseren neu gewonnen Freunden, trinken noch ein paar Bierchen und füllen ihre Gästebücher aus.
An unserem letzten Tag geht’s etwas eher los, um vor der Rush Hour in Saigon zu sein. Davor machen wir einen Abstecher zum Cu Chi Tunnel. Eine traurige Geschichte umgiebt dieses Gebiet, indem die Schützengräben, ein zerbombter Amerikanischer Panzer und Bodenfallen verteilt sind. Der Tunnel ist zum Teil zugeschüttet, damit keine Touristen verloren gehen. Umso trauriger ist, wie manche Menschen sich in Bombenkrater und auf den Panzer stellen um lustige Fotos zu machen.
Bald erreichen wir Saigon, auf sieben Millionen Einwohner kommen sechs Millionen Mopeds und Motorräder. Die Fahrt ins Zentrum war fast schon das größte Abenteuer dieser Reise, denn jeder verstößt gekonnt gut gegen die Verkehrsregeln, blinken ist ein Fremdwort und die Art Dinge zu transportieren ist unglaublich!
Wir genießen das Großstadtflair und sind durchgehend fasziniert was sich auf den Straßen abspielt. Eigentlich wollten wir ins Bett, doch wir treffen ein Pärchen aus London, mit denen wir noch einen total lustigen Abend haben.
Tags drauf brechen wir früh auf und sind froh, gleich heute nach Kambodscha zu fahren, denn es regnet mal wieder.
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Wie hat uns Vietnam gefallen?
Abgesehen von dem permanenten schlechten Wetter, wofür das Land ja nichts kann, und unserem kurzen Aufenthalt, war es eine tolle Reise. Es gibt super Landschaften zu entdecken. Auch die sogenannten Open Tour Bus und Easy Rider sind gut und günstig. Das Essen ist total günstig und total gut. Die Menschen haben Jahrzehnte im Krieg gelebt und jetzt befindet es sich in einem sichtbaren Aufschwung. An schönen Tagen kann man dort wirklich billigen Luxusurlaub verbringen, man sollte aber nicht vergessen das es auch dort viel Armut gibt und mehr bei kleinen Händler kaufen, als sich in überteuerte (Schnell-) Restaurants zu setzen.

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