Australien: Das Leben in Darwin

Wir stecken fest in Darwin. Der gestohlene Führerschein, lässt sich nicht so leicht besorgen und die Konsulin der BRD lässt das total kalt und kontert auf die Frage, was man machen kann: “Das ist nicht mein Aufgabengebiet“ währenddessen die hauptberufliche Eventmanagerin am Telefon ihren nächsten Flug bucht. Während wir warten und etwas fassungslos über die Inkompetenz der Führerscheinstelle in Pfaffenhofen sind, ergibt sich mit Vitamin B ein Zweitjob.

Wir bekommen eine Vollzeitstelle im „Rydges Airport Resort“. Erst waren wir gar nicht so glücklich darüber, denn wir wären gerne schon vor Wochen aus dem Dorf Darwin hier im Norden weggekommen. Allerdings bietet uns die Restaurantmanagerin einen unglaublich guten Stundenlohn und genug Stunden an.
Ich darf gleich am zweiten Tag das Bankett übernehmen und Helga kann sich in dem Außenbereich des a la carte Restaurant in Ruhe austoben. An Arbeit mangelt es uns nun nicht mehr, im Gegenteil, wir haben schon fast einen Stress. Wir lassen uns aber natürlich nicht stressen und nutzen die Chance uns alles in aller Gemütlichkeit anzusehen. Nach langem hin und her, weiter fahren oder nicht entscheiden wir uns, dass es sinnvoll wäre, noch eine Zeit hier zu bleiben, wahrscheinlich bis Ende August, aber die Erfahrung zeigt das unsere Pläne sowieso wertlos sind. Außerdem ist im Süden Australiens Winter, mit teilweise Minusgraden. Da müssen wir ja momentan echt nicht hin.
Wir haben nur noch ein einziges Problem. Wo sollen wir regelmäßig schlafen, duschen, auf die Toilette gehen und Kühlschrank haben wir auch keinen. Der Campervan in dem wir seit zwei Monaten leben, ist ja wirklich eine tolle Sache zum Reisen, aber wir Reisen ja gerade nicht.
Die Personalzimmer im Resort sind auch alle voll und so sind wir gezwungen noch eine Zeit täglich insgesamt fast 100 km durch die Gegend zu fahren um eine kostenlose Möglichkeit zum schlafen zu finden. Unser momentaner Tagesablauf: Schlafplatz – Einkaufen und Klo – dann an den Strand zum essen, Duschen – Arbeit – Pause wieder zurück zum Strand – Arbeit – Feierabend zurück zum Schlafplatz an die „Fishermans Wharf“.
Die Fishermans Wharf Fischereihafen), auf einem langen großen Pier ist an sich ein schöner Platz zum schlafen. Dreißig Backpacker Vans, meistens gute Stimmung, lustige Gepräche, frischer Wind der ins Auto bläst und manchmal zieht jemand einen Hai, Krebs oder eine Wasserschlange raus. Einen „normalen“ Fisch haben wir trotzdem noch nicht gesehen. Am Wochenende kommen immer die ganzen betrunkenen Fischer an Land und schlagen sich, weil sie sich über Ebbe und Flut streiten. Eines Nachts, wir schlafen tief und fest nach zwölf Stunden Arbeit, zwei Fischer positionieren sich neben unserem Van und fangen an lautstark ins Auto zu brüllen. Wir schrecken natürlich entsetzt hoch, keine Ahnung was hier vor sich geht. Nach ein paar Minuten Geschrei „Fuck off“ etc. und einer beinahe Kollision zwischen uns, sind sie einfach wieder gegangen und haben sich an anderen Autos zu schaffen gemacht.
Vor ein paar Tagen sind wir mal wieder viel zu früh um 7 Uhr aufgewacht, wegen der Hitze und dem Lärm, deswegen fahren wir an den „Mindil Beach“ um ein paar Stunden weiter zu schlafen, dort gibt es Schatten, eine Dusche und ein Klo. Übernachten darf man dort natürlich nicht, macht auch niemand, aber man kann sich ja wohl mal ein paar Stunden ausruhen. Um 8:30 Uhr hören wir ein „ahhh… Backpacker“ und gleich darauf „City Council“. Das City Council, quasi die Stadt, weckt uns und macht gleich mal den totalen Terror. Bevor wir irgendetwas sagen konnten werden Fotos gemacht und die Motorhaube abgetastet ob diese warm vom Motor ist. Liebes City Council, der Motor in allen Vans ist unter dem Beifahrersitz – in ganz Australien! Sie gehen uns an, als wären wir Verbrecher oder Tiere und drohen uns mit 130$ Strafe pro Person, wenn sie uns nochmal sehen. Bla bla bla… Totaler Schwachsinn, denn der City Council Chef, welcher ganz nett ist, hat uns vor Wochen schon gesagt, dass es okay ist, solange wir die Türen auf haben. Alles in allem kompliziert, da ist nur noch die Frage, „Camping overnight is not allowed“ wieso kommen die Herrschaften dann erst um 8:30 Uhr?
Noch am selben Tag jammern wir unserer Restaurantmangerin die Ohren voll, dass es uns auf die Nerven geht, wir wollen ein Personalzimmer (wir wissen das alles voll ist, aber man kann ja ein bisschen Druck machen). Und noch am selben Abend finden wir uns in einem Haus wieder, eigenes Zimmer, Dusche, Toilette, Kühlschrank, Küche, Wohnzimmer, Esszimmer, Terrasse und einen Pool!
Wie das? Unsere Managerin, Terrance, besitzt ein Haus und vermietet Zimmer an Angestellte. Für einen vergleichsweise geringen Betrag, weniger als im Resort. Wir teilen uns das Haus mit einer Thailändischen Köchin und Terrance die ursprünglich von den Philippinen kommt. Mein größtes Problem sind wahrscheinlich drei Frauen unter einem Dach, aber wir haben ja noch das Auto zum flüchten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: